Schön, dass Sie sich für IPv6 entschieden haben!
Grundsätzlich gibt es verschiedene Methoden, um IPv6-Adressraum zu beziehen.

IPv6 act now

Methode 1 – Adressraum vom Provider nutzen

Der übliche und einfache Weg ist, bei Ihrem Provider nach diesem anzufragen.

Der Provider wird dann aus seinem durch die Regional Internet Registry (“RIR”, in Europa das RIPE NCC) zugewiesenen PA-Space (Provider Aggregatable) ein Subnetz bereitstellen und Ihnen dies zuweisen.
Je nach Art des Providers wird Ihnen das Subnetz entweder auf Ihre Hosting-Umgebung geroutet, oder auf Ihren Internetzugang.

Der Vorteil dieser Lösung ist, dass Sie als Kunde kein besonderes Routing-Equipment benötigen, und nicht direkt mit dem RIPE NCC in Kontakt stehen. Daher müssen die strikten Vorgaben für IP-Adressraum nicht zu jeder Zeit eingehalten werden.
Der Nachteil ist, dass das zugewiesene Prefix aus dem Bereich des Providers stammt, und Sie bei einem Provider-Umzug komplett auf ein neues Netz des neuen Providers re-adressieren müssen. Das Netz kann also nicht zu einem anderen Provider umgezogen werden. Außerdem besteht keine Möglichkeit des BGP-Multihoming, also Ihr Netz redundant über verschiedene Provider erreichbar zu machen.

 

Methode 2 – eigener Provider Independent-Adressraum (PI)

Die Alternative dazu ist, dass PI-Space (Provider Independent) über eine Local Internet Registry (LIR) beantragt wird. Dieses Netz ist Ihnen direkt zugewiesen, wobei eine LIR die Schnittstelle zum RIPE NCC darstellt.
Für eine PI-Space-Allokation muss von der LIR folgendes Formular an das RIPE NCC gesendet werden:
http://www.ripe.net/ripe/docs/ripe-546 (Erläuterungen dazu hier: http://www.ripe.net/ripe/docs/ripe-574)
Diesem Formular sind gleichzeitig die Voraussetzungen und notwendigen Erklärungen zu entnehmen.

Für die Zuweisung ist eine minimale Netzgrößte von /48 vorgeschrieben. Für diese Größe sind keine besonderen Netzpläne oder Dokumentationen erforderlich. Bei Netzen größer /48 muss gegenüber dem RIPE NCC detailliert erläutert werden, warum und wofür diese größere Zuweisung nötig ist.

Weiterhin muss die LIR einen Vertrag mit dem End User unterzeichnen, der die folgenden Bestandteile enthält:
http://www.ripe.net/lir-services/resource-management/independent-resources/independent-assignment-request-and-maintenance-agreement-1

Die LIR kann zu einem späteren Zeitpunkt auch gewechselt werden. Solange die Zeit zwischen zwei aktiven LIR-Verträgen nicht zu lang ist, geht Ihr Address Space nicht verloren. Grundsätzlich muss aber für den Erhalt ein aktiver LIR-Vertrag bestehen.

Eine Initialgebühr für die Beantragung der Adress-Ressourcen und eine laufende Gebühr für den Unterhalt müssen in diesem Zusammenhang an den Endkunden berechnet werden, da das RIPE NCC selbst die Zuweisung und den Erhalt jährlich an die LIR berechnet.

Mit dem PI-Space haben Sie die Möglichkeit, die Hosting- oder Internet-Provider zu wechseln, und Ihren Adressbereich beizubehalten, es muss also bei einem Umzug nicht re-adressiert (renumbered) werden. Weiterhin besteht die Möglichkeit, dass Sie Ihr Netz an verschiedenen Orten von verschiedenen Providern im Internet announcen lassen, und somit eine Multihoming- oder Anycast-Architektur erzeugen können.
Viele große Hostinganbieter bieten an, PI-Space für Sie im Internet zu announcen. Teilweise wird hierfür eine laufende oder einmalige Gebühr berechnet, teilweise ist das im Rahmen eines größeren Hostingpakets auch gratis inkludiert.

Sie benötigen also für PI-Space also grundsätzlich mindestens zwei Verträge. Einen mit einer sponsoring LIR, die die Schnittstelle zum RIPE NCC ist, und einen mit einem Hosting- oder Internetanbieter, der das Netz für Sie announced.

 

Methode 3 – eigener PI-Space und Teilnahme am Internet-Routing mit eigener AS-Nummer

Wenn Sie Ihr Netz selbst im Internet per BGP announcen möchte, benötigen Sie zusätzlich noch eine AS-Nummer. Die Voraussetzungen hierfür sind allerdings um einiges umfangreicher und das benötigte Equipment für BGP-Internetrouting ebenfalls. Die Kosten für dieses und die notwendigen BGP-Peerings mit Upstream-Providern sind nur in komplexen Fällen geringer als der Nutzen.

 

Methode 4 – selbst LIR werden

Zuletzt besteht die Möglichkeit, dass Sie selbst Local Internet Registry (LIR) werden. Für manche größere Unternehmen kann das sinnvoll sein. Die Vor- und Nachteile sind allerdings komplex und der Schwierigkeitsgrad in Planung und Umsetzung ist höher als bei den Lösungsmöglichkeiten 1 bis 3. Wenn Sie darüber nachdenken diesen Weg einzuschlagen, bitte kontaktieren Sie uns.

 


Die Pallas Networks GmbH unterstützt Unternehmen bei der Planung und Umsetzung ihrer skalierbaren und passgenauen Internet-Anbindung und Infrastruktur. Unsere Spezialisten ermitteln für Sie den Aufwand, planen die Umsetzung und führen diese anschließend so durch, dass der Impact für Ihr Unternehmen minimal bleibt und Ihre Infrastruktur weiterhin zeitgemäßg und sicher betrieben werden kann.

RIPE-NCC Member und Local Internet RegistryAls Mitglied der RIPE NCC und Local Internet Registry (LIR) bieten wir alle notwendigen PI- und PA-Ressourcen an, oder begleiten Sie selbst dabei, LIR zu werden. Als Sponsoring LIR können wir PI-Space oder AS-Nummern für Sie beantragen. Auch bei den Themen Peering, Upstream und IPv6 unterstützen wir Sie gerne!