Wie bekommt man IPv6 Adressen?

Wie bekommt man IPv6 Adressen
Wie bekommt man IPv6 Adressen? Erfahre jet­zt, welche ver­schiede­nen Möglichkeit­en du hast, um an eigene IPv6-Adressen zu kom­men und diese dauer­haft zu hal­ten!

Inhaltsverze­ich­nis

Wie bekommt man IPv6 Adressen?

IPv6 Act Now

Schön, dass du dich für IPv6 entsch­ieden hast!

Vielle­icht hast du bere­its meine Grund­la­gen­schu­lung IPv6 Foun­da­tion Mas­ter Class besucht und bist nun bere­it, IPv6 zu aktivieren. Dafür fehlen dir noch die passenden, unab­hängi­gen IPv6-Adressen?

Wahrschein­lich ist deine Frage: Wie bekommt man IPv6 Adressen?

Nach­dem du diesen Artikel gele­sen hast, wirst du wis­sen, welche der ver­schiede­nen Optio­nen die richtige für deinen Anwen­dungs­fall ist.

Grund­sät­zlich gibt es ver­schiedene Meth­o­d­en, um IPv6-Adress­raum zu beziehen. Diese stelle ich dir hier im Detail dar. Aus den Möglichkeit­en ergibt sich für dich nor­maler­weise genau eine opti­male Lösung.

Meth­ode 1 – Adress­raum vom Provider nutzen

Der übliche und ein­fache Weg ist, bei deinem Provider nach IPv6-Adressen anzufra­gen.

 

Der Provider wird dann aus seinem durch die Region­al Inter­net Reg­istry (“RIR”, in Europa das RIPE NCC) zugewiese­nen PA-Space (Provider Aggre­gat­able) ein Sub­netz bere­it­stellen und dir dieses zuweisen.

Je nach Art des Providers wird dir das Sub­netz entwed­er auf deine Host­ing-Umge­bung ger­outet, oder auf deinen Inter­net­zu­gang.

 

Der Vorteil dieser Lösung ist, dass du als Kunde kein beson­deres Rout­ing-Equip­ment benötigst und nicht direkt RIPE Mit­glied sein oder mit dem RIPE NCC in Kon­takt ste­hen musst. Daher müssen die strik­ten Vor­gaben für IP-Adress­raum nicht zu jed­er Zeit einge­hal­ten wer­den.

Der Nachteil ist, dass das zugewiesene Pre­fix aus dem Bere­ich des Providers stammt, und du bei einem Provider-Umzug kom­plett auf ein neues Netz des neuen Providers re-adressieren musst. Das Netz kann also nicht zu einem anderen Provider umge­zo­gen wer­den. Außer­dem beste­ht keine Möglichkeit des BGP-Mul­ti­hom­ings, also dein Netz redun­dant über ver­schiedene Provider erre­ich­bar zu machen.

Meth­ode 2 – eigen­er Provider Inde­pen­dent IPv6 Adress­raum (IPv6 PI Space)

Die Alter­na­tive zu Meth­ode 1 (PA Space deines Providers) ist, dass IPv6 PI Space (Provider Inde­pen­dent IPv6) über eine Local Inter­net Reg­istry (LIR) beantragt wird. Dieses Netz ist dir direkt zugewiesen, wobei eine LIR die Schnittstelle zum RIPE NCC darstellt. Ein RIPE Mit­glied ist im Prinzip automa­tisch eine LIR.

Für eine IPv6 PI Space-Alloka­tion muss von der LIR ein For­mu­lar an das RIPE NCC gesendet wer­den. Das For­mu­lar ist im LIR Por­tal der RIPE NCC ver­füg­bar und muss online abge­sendet wer­den.

Grundle­gende Anforderun­gen und Infor­ma­tio­nen zu Provider Inde­pen­dent IPv6 Ressourcen stellt die RIPE NCC in ihrem Doku­ment Con­trac­tu­al Require­ments for Provider Inde­pen­dent Resource Hold­ers in the RIPE NCC Ser­vice Region bere­it.

 

Für die Zuweisung ist eine min­i­male Net­z­größte von /48 vorgeschrieben. Für diese Größe sind keine beson­deren Net­z­pläne oder Doku­men­ta­tio­nen erforder­lich. Bei Net­zen größer /48 muss die LIR (also das RIPE Mit­glied) gegenüber dem RIPE NCC detail­liert erläutert wer­den, warum und wofür diese größere Zuweisung nötig ist.

 

Weit­er­hin muss die LIR einen Stan­dard-Ver­trag mit dem End User (dir) unterze­ich­nen.

 

Die LIR kannst du zu einem späteren Zeit­punkt auch wech­seln. Solange die Zeit zwis­chen zwei aktiv­en LIR-Verträ­gen nicht zu lang ist, geht dein IPv6 Address Space nicht ver­loren. Grund­sät­zlich muss aber für den Erhalt ein aktiv­er LIR-Ver­trag beste­hen.

 

Eine Ini­tial­ge­bühr für die Beantra­gung der IPv6 Adress-Ressourcen und eine laufende Gebühr für den Unter­halt müssen in diesem Zusam­men­hang an den End­kun­den berech­net wer­den, da das RIPE NCC selb­st die Zuweisung und den Erhalt jährlich an die LIR berech­net. Es wird also sehr schw­er bis unmöglich sein, diesen LIR-Ser­vice kosten­los zu erhal­ten. Als grobes Richt­maß kannst du Beträge zwis­chen 100–300 € im Jahr annehmen.

 

Mit dem IPv6 PI Space hast du die Möglichkeit, die Host­ing- und Inter­net-Provider zu wech­seln, und deinen Adress­bere­ich beizube­hal­ten, es muss also bei einem Umzug nicht re-adressiert (renum­bered) wer­den. Weit­er­hin beste­ht die Möglichkeit, dass du dein Netz an ver­schiede­nen Orten von ver­schiede­nen Providern im Inter­net announ­cen lässt, und somit eine Mul­ti­hom­ing- oder Any­cast-Architek­tur erzeu­gen kannst.

Viele große Hostin­gan­bi­eter bieten an, IPv6 PI Space für dich mit BGP im Inter­net zu announ­cen. Teil­weise wird hier­für eine laufende oder ein­ma­lige Gebühr berech­net, teil­weise ist das im Rah­men eines größeren Host­ing­pakets auch gratis inkludiert.

 

Du benötigst also für IPv6 PI Space also grund­sät­zlich min­destens zwei Verträge:

Einen mit ein­er spon­sor­ing LIR, die die Schnittstelle zum RIPE NCC ist, und einen mit einem Host­ing- oder Inter­ne­tan­bi­eter, der das Netz für dich announced.

Meth­ode 3 – eigen­er IPv6 PI Space und Teil­nahme am Inter­net-Rout­ing mit eigen­er BGP AS-Num­mer

Wenn du dein Netz selb­st im Inter­net per BGP announ­cen möcht­est, benötigst du zusät­zlich noch eine AS-Num­mer. Die Voraus­set­zun­gen hier­für sind allerd­ings um einiges umfan­gre­ich­er und das benötigte Equip­ment für BGP-Inter­netrout­ing eben­falls. Die Kosten für dieses Equip­ment und die notwendi­gen BGP-Peer­ings mit Upstream-Providern sind nur in kom­plex­en Fällen geringer als der Nutzen.

Meth­ode 4 – selb­st RIPE Mit­glied & LIR wer­den

Zulet­zt beste­ht die Möglichkeit, dass du selb­st Local Inter­net Reg­istry (LIR) wirst. Für manche größere Unternehmen kann das sin­nvoll sein. Die Vor- und Nachteile sind allerd­ings kom­plex und der Schwierigkeits­grad in Pla­nung und Umset­zung ist höher als bei den Lösungsmöglichkeit­en 1 bis 3.

Wenn du darüber nach­denkst, diesen Weg einzuschla­gen, musst du allein für die RIPE-Mit­glied­schaft eine Ein­mal­ge­bühr in Höhe von derzeit 2.000 € entricht­en. In dieser Gebühr ist der Mit­glieds­beitrag für das erste Jahr enthal­ten.

Infor­ma­tio­nen über die aktuellen Gebühren der RIPE NCC:

https://www.ripe.net/participate/member-support/payment

Hinzu kom­men die Kosten für das Rout­ing-Equip­ment (siehe oben), sowie für den tech­nis­chen Betrieb der Anbindun­gen.

Weit­erge­hende Infor­ma­tio­nen

Auf dem IPv6-Por­tal der RIPE NCC gibt es ständig aktu­al­isierte Infor­ma­tio­nen zum The­ma IPv6-Adressierung und Adresszuweisung.

Außer­dem gibt es einen gepflegten IPv6-Doku­menten­bere­ich der RIPE NCC mit allen rel­e­van­ten IPv6-Doku­menten.

Detail­in­for­ma­tio­nen zur IPv6 Address Allo­ca­tion and Assign­ment Pol­i­cy von der RIPE NCC.

Zum The­ma IPv6 kön­nte meine Onli­neschu­lung IPv6 Essen­tials — Foun­da­tions of the new Inter­net Pro­to­col in englis­ch­er Sprache inter­es­sant für dich sein.

Diese gibt es auch kosten­los und im Lese­for­mat hier: IPv6 Foun­da­tion – Free & Com­plete: The Orig­i­nal Mas­ter Class

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